Wer in den 90ern am PC saß, kennt den Namen vermutlich: “Simon the Sorcerer” ist eines der bekanntesten Point-&-Click-Abenteuer seiner Zeit. Ein frecher Junge mit Zauberhut, viel Humor und eine Welt voller verrückter Figuren – irgendwo zwischen Märchen, Fantasy und Parodie. Mehr als 30 Jahre später ist Simon wieder da. “Simon the Sorcerer Origins” erzählt, wie alles begann – und möchte gleichzeitig alte Fans zurückholen und neue begeistern.
Eine magische Vorgeschichte
Kurz nach dem Umzug seiner Familie stolpert der 11-jährige Simon in ein geheimnisvolles Portal – und landet in einer Welt voller Zauberer, Trolle, sprechender Tiere und anderer skurriler Gestalten. Eigentlich will er nur zurück nach Hause, doch natürlich wird daraus ein größeres Abenteuer: Ein dunkler Magier namens Sordid hat eigene Pläne, und Simon muss das Geheimnis um den “ersten Zauberer” lüften. Unterstützung bekommt er dabei vom alten Magier Calypso (den viele Fans noch aus den Originalspielen kennen) und seinem sprechenden Hund Chippy.
So spielt es sich
“Simon the Sorcerer Origins” ist ein klassisches Point-&-Click-Adventure, also ein Spiel, bei dem man Figuren, Gegenstände und Orte mit Maus oder Controller auswählt, um Aktionen auszuführen. Kein Kampf, kein Zeitdruck – dafür viele kleine Rätsel, Dialoge und Logikaufgaben, für die Spieler auch Geduld mitbringen müssen. Für den Test habe ich übrigens die Switch-Version gespielt, die sowohl mit dem Gamepad als auch per Touchscreen gesteuert werden kann. Beides klappt gut.

Wir erkunden handgezeichnete Umgebungen, sammeln Gegenstände ein, experimentieren mit Kombinationen und lösen so Schritt für Schritt kleine Rätsel, die die Geschichte voranbringen.
Ein Beispiel: Gleich zu Beginn bemerken wir in der Küche etwas, das im Abfluss feststeckt. Wie kommen wir da bloß ran? Beim Durchstöbern des Hausflurs entdeckt Simon eine Aufziehfigur mit Schnur und kurz darauf eine alte Schere. Mit einem Tastendruck kombinieren wir beides – die Schere schneidet die Schnur ab, die nun lose im Inventar landet. Wenig später findet Simon am Kühlschrank einen Magneten. Kombinieren wir Schnur und Magnet, entsteht ein improvisierter Angelhaken, mit dem Simon den feststeckenden Gegenstand aus dem Abfluss zieht: einen Schlüssel, der eine verschlossene Tür öffnet.
Welche Gegenstände sich für die Lösung unseres Problems eignen und wie sie kombiniert werden müssen, muss natürlich der Spieler herausfinden – Ausprobieren ist also gefragt. Und so geht es im Spiel immer weiter. Simon muss etwa einen Schlaftrank brauen, entlaufene Eulen einfangen oder eine Wache austricksen. Später lernt er Zaubersprüche, mit denen sich Lampen entzünden oder Wasser einfrieren lässt. Und sein Zauberhut bekommt besondere Fähigkeiten, mit denen er Gegenstände verändern kann.
Das Spiel erklärt seine Regeln nach und nach, sodass auch Einsteiger gut hineinkommen. Allerdings sind spätere Rätsel ganz schöne Kopfnüsse, für die es Logik und Geduld braucht.
Humor, Charme – aber etwas wenig Abwechslung
Eine Besonderheit des Spiels ist seine Präsentation: “Simon the Sorcerer Origins” nimmt sich selbst nicht ernst. Simon kommentiert mit frechen Sprüchen fast alles, was passiert, redet manchmal sogar direkt mit euch als Spielende. Viele Szenen spielen mit bekannten Fantasy-Klischees – etwa, wenn ein Zauberer nur nach einem bestimmten Getränk redselig wird oder eine Hexe plötzlich Hilfe beim Tränke-Brauen braucht. Diese humorvolle Erzählweise ist wunderbar altmodisch im besten Sinn: warmherzig, verspielt und selbstironisch.

Der Comic-Stil erinnert an Zeichentrickfilme der 90er: farbenfroh, liebevoll, aber nicht spektakulär. Die Charaktere sind charmant animiert und das Spiel punktet mit einer sehr guten Vertonung – wahlweise auf Deutsch oder Englisch, sogar beide mit den Originalsprechern früherer Teile.
Auf der Konsole funktioniert die Steuerung gut, auch wenn das Spiel mit Maus wahrscheinlich besser zu bedienen ist. Eher negativ fällt auf, dass die Spielwelt überschaubar ist: Es gibt eine kleine Stadt mit Gasthaus und Laden, eine Akademie für Magie, einen Sumpf – und das war’s. Wer alles erkundet hat, wird an dieselben Orte zurückgeschickt, um dort neue Rätsel zu lösen. Eine Schnellreisefunktion verkürzt immerhin die Laufwege. Hier hätte es aber gerne mehr Schauplätze und Abwechslung geben können.
Nicht unbedingt etwas für ganz junge Spieler
Das Spiel ist ab 6 Jahren freigegeben und damit grundsätzlich auch für Kinder geeignet – allerdings sollten sie lesen können, denn viele Rätsel und Dialoge setzen Textverständnis voraus. Vor allem aber sind spätere Rätsel schwieriger und es braucht Geduld, um sie zu lösen. Ideal ist das Spiel als Gemeinschaftserlebnis: Eltern klicken, Kinder knobeln mit oder geben Tipps. Durch die ruhige Erzählweise und den fehlenden Zeitdruck kann man das Spiel auch problemlos unterbrechen und später weiterspielen.
Für Eltern, die in den 90ern selbst mit Adventures aufgewachsen sind, ist “Simon the Sorcerer Origins” außerdem ein gelungenes nostalgisches Wiedersehen.
Vielen Dank an Inin Games für die Bereitstellung eines Testmusters des Spiels!


